ÖÄK Diplomrichtlinie

PDF - ÖÄK-Diplomrichtlinie 2012

Die ÖÄK-Diplomrichtlinie Akupunktur schreibt 200 Unterrichtseinheiten (UE)  für das ÖÄK-Diplom Akupunktur vor:
120 UE Theorie; davon sind acht Kurse verpflichtend vorgeschrieben, und zwei Kurse nach freier Wahl.
Zusätzlich 80 UE praktische Ausbildung.
Zunächst müssen die drei Grundkurse, nicht verpflichtend in der Reihenfolge I, II, III, sowie der Ohrakupunktur-Kurs besucht werden. Danach können die weitern Pflichtkurse und zwei der frei wählbaren Kurse besucht werden. 
80 UE werden als Praxis abgeleistet werden:
diese beginnen mit dem Kurs Behandlungstechniken (12 UE praktische Ausbildung) und die restlichen 68 UE werden im Rahmen von Praxisseminaren / Hospitationen oder Praxistagen und Fallseminaren absolviert. Nach erfolgreicher Ablegung der Diplomprüfung (mit praktischem und theoretischen Teil) erhalten Sie das Diplom für Akupunktur der Ärztekammer.

Die von der Österreichischen Ärztekammer zur Ausbildung berechtigten Akupunkturgesellschaften stimmen überein, dass vor jeder Behandlung folgende Punkte zu beachten sind:
Zuerst ist eine Diagnose nach den Regeln der modernen Medizin zu erstellen. Dann erst ist zu entscheiden, ob eine der Methoden der modernen Medizin oder Akupunktur oder eine Kombination beider Methoden für den Patienten das Beste ist.
Nur Ärzte sind in Österreich berechtigt Akupunktur auszuüben; daher wird das Wissen über Diagnose und Therapie der modernen Medizin vorausgesetzt und ist nicht Lehrinhalt der Kurse, auch wenn Hinweise für die Praxis gegeben werden.

Curriculum der Akupunkturgrundlagen
Lehrinhalte für das Basiswissen der Akupunktur

1. Naturwissenschaftliche Grundlagen der Akupunktur

  • Grundsystem nach Pischinger 
  • Neurale Mechanismen 1.3 Gate-control Theorie
  • Deszendierende Hemmung
  • Sympathicus Wirkung
  • Segmentale Wirkung (Head, Mackenzie)
  • Neuro-humorale Mechanismen (Serotonin, Endrophine u.a. Neurotransmitter)
  • Klinische Wirkung der Akupunktur
       analgetische
       vegetative- reflektorische
       motorische
       immun-modulierende
  • Charakteristika der Akupunkturpunkte (Hautwiderstand - Morphologie)
  • SC Propagated sensation along Channels (De QI)

2. Allgemeiner Teil

  • Das System der traditionellen chinesischen Medizin
  • Yin und Yang als Homöostase - Prinzip ( bzw. Fließgleichgewicht) und Entsprechung auf funktioneller und morphologischer Ebene
  • Integration der Akupunktur in die moderne Medizin
  • Das Entsprechungssystem der fünf Funktionskreise bzw. Wandlungsphasen

3. Physiologie und Pathophysiologie in der traditionellen chinesischen Medizin 

  • Grundlegende Überlegungen zu Qi B
  • Bioklimatische pathogene Faktoren 
  • Chronobiologie am Beispiel der Organ-Uhr 
  • Die 12 Hauptmeridiane (6 Doppelmeridiane) 
  • Die außerordentlichen Meridiane 
  • Grundzüge der traditionellen chinesischen Diagnose (Anamnese, Hören, Sehen, Tasten, Riechen) 
  • Die " 8 Regeln" und ihre therapeutische Anwendung (Innen/Außen, Kälte/Hitze, Leere / Fülle, Yin/Yang) 
  • Konstitution, Kondition und Akupunktur

4. Techniken der Akupunktur

  • Vorbereitung der Behandlung 
  • Lagerung 
  • Nadelmaterial, Dicke und Länge der Akupunkturnadeln 
  • Einstichtechnik, Stimulationstechnik 
  • Sterilisationsverfahren, Einmalnadeln, Infektionsrisiken 
  • Komplikation und Nebenwirkung der Akupunktur
           Infektion
           Verletzung von organischen Strukturen (gefährliche Punkte)
           Kollaps
           Ermüdung
           Schmerzempfinden bei der Nadelung
           Verschlimmerung der Beschwerden

5. Systematik der Punkte und Meridiane

  • Verläufe der 12 Hauptmeridiane, sowie von LG und KG Meridian 
  • Die Bedeutung der Meridiane für Funktion und Therapie 
  • Funktion und Anwendungsbereich besonderer Punkte (Meisterpunkte, Konfluenzpunkte) 
  • Methoden der Punktlokalisation 
  • Lokalisation und Indikationen wichtiger Punkte
    Herzmeridian: 3, 5, 7
    Dünndarmmeridian: 3,6,9,11,19
    Blasenmeridian: 2, 10,11, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 25, 27, 28, 32, 36, 39, 40, 57, 58, 60, 62, 67
    Nierenmeridian: 1, 3, 5, 6, 7, 10, 27
    Pericardmeridian (KS): 6, 7
    Drei Erwärmer (3E): 3, 5, 6, 14, 17, 21, 23,
    Gallenblasenmer: 2, 8, 14, 20, 21, 24, 25, 30, 31, 34, 37, 39, 40, 41    
     Lebermeridian: 2, 3, 6, 8, 13, 14
     Lungenmeridian: 1, 5, 7, 9
     Dickdarmmeridian: 4, 10, 11, 15, 20
     Magen: 2,6,7,8,21,25,28, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 44
     Milz-Pankreasmeridian: 3, 4, 6, 8, 10
     Du Mai (Lenkergefäß): 2, 3, 4, 13, 14, 15, 16, 20, 24, 26
     Ren Mai (Konzeptionsgefäß): 3, 4, 5, 6, 12, 14, 15, 17, 22, 23, 24

6. Regeln zur Punktauswahl

  • Anwendung von A shi - Punkten (locus dolendi - Punkte) 
  • Verwendung von symptomatischen Punkten ( z.B.: Schluckauf, Übelkeit, Schlaflosigkeit etc.) 
  • Anwendung von Nah- und Fernpunkten bei akuten bzw. chronischen Krankheiten 
  • Anwendung besonderer Punkte (Meisterpunkte etc.) 
  • Wichtige Punktkombinationen 
  • Konstiutionsgerechter (individueller )Therapieaufbau

7. Indikationen und Beispiele der Akupunktur

  • Indikationen und Kontraindikationen (bzw. "Nichtindikationen" , falsche Diagnose), z.B. TBC und andere Infektionskrankheiten, Operationsindikation etc.
  • Fallbesprechungen bzw. Falldemonstrationen von verschiedenen Krankheitsbildern ( Bewegungsapparat, Kopfschmerzen etc.)

8. Sonderformen, die noch nicht in Österreich zugelassen sind, jedoch von KollegInnen angewandt werden, die diese im Ausland erlernt haben, werden auch kritisch vorgetragen und diskutiert.